Das Reitfest für die “Intensivkinder”

 

An sich fällt es mir nicht schwer, die passenden Worte zu finden. Immerhin ist das ja auch mein Job als freie Journalistin. Für das Fest der Intensivkinder auf dem Hof Feuler die richtigen Worte zu finden, überfordert mich.

Schon einmal soviel: Ich bin sofort bereit, ein zweites „Super! – Pferd“ zu organisieren, damit auch 2012, die intensivmedizinisch betreuten Kinder wieder auf den Pferderücken können. Die strahlenden Augen der Kinder, ihr Lächeln, das Nachlassen ihrer Krämpfe, die Freude der Eltern – eine größere Motivation für eine zweite Benefizveranstaltung kann es gar nicht geben. Auch Markus und Anja Bach waren vor Ort. Es bedurfte nicht vieler Worte. Auch für die beiden stand fest: Ihre Anlage „Cavalleria“ steht „Super! – Pferd macht´s möglich Nummer II“ auf jeden Fall zur Verfügung.

 

Acht Familien finden sich bei strahlendem Sonnenschein auf dem Therapiehof Feuler in Marl ein. Barbara Lau, die erste Vorsitzende des Vereins und ihre Mitarbeiter haben die Tische bereits liebevoll gedeckt. Bis jedoch alle Kaffee und Kuchen genießen können, dauert es einige Zeit. Kinder müssen vom Auto in den Rollstuhl gesetzt, Schleim abgesaugt, Nahrung per Sonde verabreicht und mobile Beatmungsgeräte am Rollstuhl befestigt werden. In der Zwischenzeit toben die Geschwisterkinder bereits auf dem Hof herum. Ihre Situation wird häufig übersehen. Sie kommen im Alltag, der in aller Regel gänzlich von den schwerkranken Geschwistern bestimmt wird, ungewollt zu kurz. Heute sollen sie auf jeden Fall auch die Gelegenheit bekommen zu reiten und einen unbeschwerten Tag zu genießen.

Neele, Celine, Tim, Max, Claudio, Carolina, Yanick, Paul und Ben sind während des Kaffeetrinkens schon ganz aufgeregt. Sie wissen genau, was auf sie wartet: Pferde und Reiten! Endlich ist es soweit. Es geht auf zur Reithalle. Paul darf Haflinger Rico zur Halle führen, wo die anderen drei Pferde bereits warten. Er ist sichtlich stolz. Nun wird deutlich, warum das Fest der Intensivkinder auf dem Therapiehof und nicht in einer X-beliebigen Reithalle stattfinden muss. Da sind zum einen die Pferde. Rico, Luna, Paula und Felina stehen wie ein Fels in der Brandung und warten ohne jede Regung auf das Signal zum Losgehen. Es ist, als wüssten sie, dass jede unkontrollierte Bewegung die Kinder in Gefahr bringen würde. Und es dauert einige Zeit, bis Kind, Begeleitperson und Beatmungsgerät so positioniert sind, dass Bewegung ins Spiel kommen kann. Bei Tim, Neele und Claudio muss eine zweite Person hinter dem Kind sitzen. Tims Vater stützt seinen Sohn, der nicht allein aufrecht halten kann. Reittherapeutin Birgit Schiller nimmt hinter Claudio Platz. Die Pferde gehen langsam und behutsam Runde und Runde und alle entspannen sich zusehends. Die Verkrampfung in ihrem Körper lässt nach und nicht nur die Eltern haben feuchte Augen. Celine kann allein sitzen. Sie hält sich am Therapiegurt fest. Zwei Personen führen das Pferd. Celines Mutter geht rechts neben ihrer Tochter, die Krankenschwester mit dem Beatmungsgerät auf der linken Seite. Die Zehnjährige strahlt und winkt. Sie mag gar nicht mehr von Lunas Rücken absteigen. Die sechsjährige Neele ist etwas ängstlicher. Und so steigt ihre Mutter mit ihr aufs Pferd. Nach zwei Runden leuchten Neeles Augen (und auch die ihrer Mutter). Neele ist zu Recht mächtig stolz auf sich. Sie hat ihre Angst überwunden. Ben kann nicht sitzen. Er wird deshalb auf den Pferderücken gelegt. Seine Mutter hält seine Arme und lächelt ihm aufmunternd zu, während die Reittherapeutin die Beine des Jungen sichert. Ben genießt die Bewegungen. Sobald Paula stehen bleibt, äußert er seinen Unmut, sobald die Stute wieder Schritt geht, entspannt er sich und lächelt.

Der Hof Feuler bietet nicht nur zuverlässige Therapiepferde, sondern auch die notwendige Ausrüstung. Ohne Aufsteigrampe oder Lifter wären die Kinder nicht auf den Pferderücken gelangt. Und auch das „Drumherum“ stimmt: Ein wunderschöner Kräutergarten, eine gepflegte Anlage, ein Musikraum und die netten, kompetenten Mitarbeiter tragen zur guten Atmosphäre des Tages bei.

Die Kinder verlassen nur ungern den Pferderücken. Sie genießen die Nähe zu dem warmen, großen Tier und freuen sich, wenn sie mit Hilfe der Reittherapeuten, Paula und Rico mit einem Leckerchen belohnen können. Nur mit dem Verspechen, dass sie wiederkommen dürfen, sind sie bereit, den Pferdestall zu verlassen. Und: Versprochen ist versprochen. Deshalb wird es „Super! – Pferd macht´s möglich Nummer II“ geben.

 

 

Ein Kommentar zu “Das Reitfest für die “Intensivkinder””

  1. » Blog Archive » NEWS

    [...] Im Großen und Ganzen wird sich an der Veranstaltung „Super-Pferd macht´s möglich“ nichts Wesentliches ändern. Der Erlös der Veranstaltung ist wie im Vorjahr für den Verein „Intensivkinder e.V.“ (www.intensivkinder.de) Einige aus dem Vorbereitungsteam waren im Herbst dabei als die Kinder auf dem Therapiehof Feuler auf den Pferderücken durften. Uns standen die Tränen in den Augen und uns war ganz schnell klar: Es wird ein „Super-Pferd 2012“ geben, damit es für diese Kinder wieder zum Pferd können. Denn das ist nicht so einfach. Wen es genauer interessiert, der lese bitte folgende Artikel: “Das Reitfest für die Intensivkinder” [...]

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